Ich kenne so viele Menschen, die ihr Leben lang glauben, noch nicht gut genug, noch nicht „so weit“ zu sein. Ich gehörte leider auch dazu. Sie machen eine Aus- und Weiterbildung nach der nächsten, besuchen unzählige Seminare oder haben zumindest mental stets den Hut des/der Schüler/in auf. Natürlich, wir sind in gewisser Hinsicht immer Schüler – unser Leben lang. Wir bleiben in gewisser Weise Laien auf der Bühne des Lebens und dürfen fortwährend dazu lernen. Diese Einstellung ist sicher nicht falsch und dennoch kann sie der Todfeind jeder Selbstvergrößerung sein, wenn sie zur Flucht vor der eigenen Verantwortung wird.
Warum?
So lange wir glauben, noch nicht gut genug, nicht perfekt genug zu sein, können wir uns nicht aus dem Gedankengefängnis eines kleinen Rahmens befreien. Wir können nicht einmal die Möglichkeit eines größeren Rahmens in Betracht ziehen und durchdenken.
Warum ist das so?
Weil unser Gehirn uns schützt, nicht fördert.
Unser Selbstbild funktioniert wie ein innerer Thermostat. Es reguliert, was wir uns zutrauen, was wir für realistisch halten und was wir überhaupt als Option wahrnehmen. Wenn dieser Thermostat auf „Ich bin noch nicht so weit“ eingestellt ist, filtert unser Gehirn alles aus, was nicht dazu passt. Eine größere Rolle? Zu riskant. Eine mutigere Entscheidung? Noch nicht dran. Eine neue Idee laut aussprechen? Lieber nicht, es könnte jemand merken, dass ich unsicher bin.
Das ist kein Mangel an Intelligenz oder Ehrgeiz. Es ist ein Schutzmechanismus. Unser Gehirn bevorzugt das Bekannte, weil das Bekannte sich sicher anfühlt. Selbst wenn das Bekannte uns klein hält.
Deshalb reicht es nicht, mehr zu wissen oder mehr zu lernen. Solange das innere Bild dasselbe bleibt, bleibt auch der Rahmen derselbe. Du kannst zehn Seminare besuchen und drei Zertifikate erwerben. Wenn dein Selbstbild sagt „Ich muss noch mehr lernen eh ich so weit bin“, wirst du weiter aus der Schülerrolle heraus handeln, entscheiden und führen.
Der kleine Rahmen ist kein Ergebnis fehlender Kompetenz. Er ist ein Ergebnis fehlender Erlaubnis, dir selbst mehr zuzutrauen.
Daher gilt es, den Schalter vom reinen Schüler zum Lehrer umzulegen.
Wie das gehen kann, möchte ich gerne an dem Identity Loop darstellen

Der Kreislauf verdeutlicht, wie sehr unsere Gedanken unsere Gefühle beeinflussen, die wiederum maßgeblich für unsere Entscheidungen und somit auch für unsere Handlungen und Erfahrungen sind. Diese prägen unsere Identität (unser „ich bin…“), die folglich wieder unsere Gedanken bestimmt, die unsere Gefühle prägen und wieder zu Entscheidungen beitragen usw.
Und dieser Kreislauf kann sowohl im negativen wie auch im positiven ablaufen. Dazu jeweils ein Beispiel:
Negativer Kreislauf:
Gedanke: „Ich habe keine Idee, wie ich es besser machen könnte. Mir fehlt einfach das Handwerkszeug für gute Führung.“
Gefühl: Zweifel, Unsicherheit, ein leises Gefühl von Überforderung.
Entscheidung: Du hältst dich zurück und überlässt dem Team viele Entscheidungen, die eigentlich bei dir liegen. Du vermeidest es, Richtung vorzugeben, weil du dir nicht sicher bist, ob es die richtige wäre.
Erfahrung: Das Team wird unruhig. Es fehlt Orientierung. Frustration entsteht, weil niemand weiß, woran man sich halten soll. Du bekommst kaum positive Rückmeldungen, weder von deinem Team noch von deinem Vorgesetzten.
Identität: „Ich bin als Führungskraft nicht gut genug. Andere bekommen das besser hin.“
Und der Kreislauf beginnt von vorn, und verstärkt sich.
Positiver Kreislauf:
Gedanke: „Ich weiß noch nicht alles, aber ich weiß, welche Führungskraft ich sein möchte. Und ich bin bereit, daran zu arbeiten.“
Gefühl: Neugier, Zuversicht, Tatendrang.
Entscheidung: Du holst dir gezielt Impulse, setzt dich mit deiner Wirkung auseinander und fängst an, deinem Team klarer zu sagen, wohin die Reise geht.
Erfahrung: Dein Team reagiert spürbar. Die Zusammenarbeit wird ruhiger, weil Orientierung da ist. Du bekommst zum ersten Mal ein ehrliches „Danke, das hat mir geholfen.“
Identität: „Ich wachse in meine Rolle hinein. Und mein Team wächst mit.“
Und der Kreislauf beginnt von vorn, und verstärkt sich.
Ziel ist es, aus dem Grübeln (negative Gedanken oder Sichtweisen über mich selbst) herauszukommen und somit zu verwandeln. Dadurch gelangst du immer öfter und immer intensiver in einen positiven und kraftvollen Kreislauf und kannst somit das Leben proaktiv, entspannt und kraftvoller gestalten.
Warum du dennoch in deine Entwicklung investieren solltest.
Der Unterschied liegt in der Art der Entwicklung.
Es gibt Entwicklung, die den Kopf füllt. Noch ein Modell, noch ein Framework, noch ein Zertifikat. Diese Art von Lernen fühlt sich produktiv an, verändert aber oft wenig, weil sie das Selbstbild nicht berührt. Sie bestätigt sogar den inneren Glaubenssatz „Ich bin noch nicht so weit“, denn sie sagt im Grunde: Wenn du das auch noch gelernt hast, dann bist du bereit. Aber „bereit“ kommt nie.
Und dann gibt es Entwicklung, die das Selbstbild bewegt. Die nicht fragt „Was weißt du noch nicht?“, sondern „Wer bist du, wenn du aufhörst zu zweifeln?“ Diese Art von Entwicklung entsteht nicht durch Wissensvermittlung. Sie entsteht durch Erfahrung, durch Reflexion, durch echte Begegnung mit sich selbst und mit anderen, die an ähnlichen Stellen stehen.
Genau deshalb wirken bestimmte Formate stärker als andere. Ein Seminar, in dem du zuhörst und mitschreibst, verändert dein Wissen. Eine Erfahrung, in der du dich selbst anders erlebst, in der du merkst, dass du wirksamer bist, als du dachtest, verändert dein Selbstbild. Und damit den gesamten Identity Loop.
Es geht also nicht darum, weniger in Entwicklung zu investieren. Es geht darum, in die richtige Art von Entwicklung zu investieren. Nicht in die, die den Schüler perfektioniert. Sondern in die, die den Lehrer in dir sichtbar macht.
Genau diesen Ansatz verfolgen unsere Xperience Days. Keine Theorie, die den Kopf füllt. Sondern Erfahrungen, die dein Selbstbild bewegen und dir gezielte Handlungsimpulse vermitteln. Durch Tun, nicht durch Zuhören.